Die blaue Blume

In den volkssagen wird ganz einfach eine schöne wunderblume genannt, die der beglückte zufällig findet und an seinen hut steckt: nun steht ihm auf einmal ein und ausgang zu dem schatze des berges offen. hat er inwendig in der höle seine taschen gefüllt und vom anblick der kostbarkeiten erstaunt den hut abgelegt, so erschallt hinter dem weggehenden die warnende stimme: "vergiß das beste nicht!" aber es ist zu spät, und nun schlägt ihm bei seinem ausgang hart an der ferse die eiserne thüre zu, alles ist im nu verschwunden und der pfad nimmermehr zu finden.
Diese Formel kehrt in den sagen vom Odenberg, von den Weserbergen und vom Harz und in vielen andern jedesmal regelmäßig wieder; sie ist gewiß uralt.
Gewöhnlich wird die blume blau angegeben, nach der göttern und geistern eigensten farbe.

(Jakob Grimm: Deutsche Mythologie, 4.Ausgabe,Berlin 1878, Bd 2, S. 811ff und Bd 3, S.288ff)